Vom Camper zum Betreiber

 

Bestimmt waren die Freundschaftsbücher, die ich als Erzieherin oft für die Kinder ausfüllte, schuld: „Was wünscht du mir? Was wünscht du dir? Was gefällt dir besonders gut? Was gar nicht… Oh, darauf ließ sich vieles antworten: reisen, fotografieren, draußen sein, Freunde treffen und, und, und…

 

Im Sommer 2011 erfüllten wir uns einen dieser Wünsche: eine Reise mit dem Wohnwagen durch Griechenland! Doch leider war unsere Fahrt schon nach 1½ Stunden vorläufig beendet: In Kassel verweigerte unser Auto die Weiterfahrt! Auf dem noch eilig angefahrenen Rastplatz stand vor uns ein LKW der Spedition „Schade“! Sehr bezeichnend in dieser Situation…

Es folgten 4 Tage Zwangspause auf einem nahe gelegenen Campingplatz. Während dieser Zeit wurde unser Auto repariert und schmolz unser Urlaubsgeld dahin. Die Fähre setzte von Italien ohne uns nach Griechenland über und unsere Urlaubszeit reduzierte sich auf 2 ½ Wochen!

 

Erst als wir im Urlaub zur Ruhe kamen, wurde uns rückblickend bewusst, dass es trotz der Umstände 4 harmonische Tage waren, an denen wir gemeinsam die Konzeption des Campingplatzes, auf dem wir notgedrungen „stranden“ mussten, überarbeitet hatten!

Sommer, Sonne, Strand und Meer und schon glaubt man, sei das Aussteigen gar nicht mehr so schwer…

Zurück in Deutschland surften wir erholt und motiviert im Netz nach Campingplätzen: zu teuer, zu alt, zu groß, zu klein, zu weit weg… und überhaupt, worauf muss man eigentlich wirklich achten?

 

Schon 2 Monate später meldeten wir uns auf eine Anzeige: Campingplatz, 10 ha, am See in Sachsen-Anhalt, aus Altersgründen zu verkaufen.

Was wäre das wohl für ein Gefühl, sich als potentieller Käufer auf einem Campingplatz anzumelden? Vom Urlauber zum Unternehmer – das erforderte souveränes Auftreten! Um uns zu schulen, besuchten wir noch im Dezember`11 die Camping-Akademie Stralsund zu Fortbildungstagen in Rostock.

Ab Januar 2012 folgten mehrere Fortbildungseinheiten über das Gründerhaus Osnabrück: Businessplan schreiben, Analyse des Gästeverhaltens, Liquiditätsplan – äh, was ist das?

Im Februar fand der 1. Internationale Camping-Kongress in Essen stattwie meldet man sich an, wenn man gar nicht in dieser Branche arbeitet?

An vielen folgenden Wochenenden schauten wir uns deutschlandweit verschiedenste Campingplätze an. Sollten wir lieber pachten, kaufen oder als Angestellte einen Platz leiten? Immer wieder verglichen wir die gesehenen Plätze mit unserem ersten, dem „Campingpark Am Großen Lausiger Teich“.

 

Schließlich nahmen wir unseren ganzen Mut zusammen und stellten unseren selbst geschriebenen Businessplan dem „Egopilotenprojekt Sachsen-Anhalt“ in Lutherstadt Wittenberg vor, ähnlich dem „Gründerhaus in Osnabrück“… „Ja, ja, die Idee ist nicht schlecht, aber eigentlich ist das Vorhaben zu groß… Hier werden nur kleinere Unternehmen gecoacht. Ihre Zahlen sind noch sehr laienhaft. Wie sieht es aus mit dem Investitionsplan, der Finanzierung und dem Kreditvolumen?“ – Tja, das wussten wir auch nicht…

Mit freundlicher Empfehlung ging es weiter zum „Institut zur Mittelstandsförderung“, in Wittenberg gleich ums Eck.

 

Für uns tat sich ein Kooperationsweg von 400 km auf… Aber es musste ein fachlicher Businessplan her, der ansässige Banken und die Investitionsbank zwecks eines KfW-Kredits überzeugt.

Im Herbst 2012 hatten wir mit Hilfe des Gründercoachings ein ausgearbeitetes Unternehmenskonzept, das anschließend immerhin 2 Banken überzeugt hatte. Es wurde uns eine mögliche Kredithöhe in Aussicht gestellt, mit der wir nun rechnen konnten.

 

Neben unseren beiden 40-Stunden-Festanstellungen blieb nicht mehr viel Zeit für unsere Familie. Unsere drei erwachsene Kinder stöhnten nicht nur einmal, dass sie dieses Thema bald nicht mehr hören könnten… - wahrscheinlich zu Recht ;-)

 

Ende 2012 folgte wieder ein Besuch der Camping-Akademie, diesmal in Stralsund.

Im Januar und im Februar 2013 besuchten wir die Caravan-Messen Stuttgart und Hannover und die CEBIT. Weitere Infos mussten schließlich her…

Im März 2013, also 1 ½ Jahre nach Beginn unseres Projekts, waren wir uns endlich alle einig: Sparkasse, Verkäufer und wir.

 

Erste Werbemaßnahmen wurden nun eingeleitet, der Umzug geplant…

Hinzu kamen Termine mit dem Steuerberater, es musste ein GbR-Vertrag bei einem Notar geschlossen, Punkte für den Kaufvertrag erarbeitet werden und ganz nebenbei wollten wir ja auch noch den Pächter des zum Campingplatz gehörenden Restaurants kennen lernen.

Pfingst-Sonntag 2013 fuhren wir, aus dem Spreewald kommend Richtung Wittenberg. Und was sollen wir sagen: Hier standen ganz viele „Schade“-LKW! Hier ist nämlich der Sitz dieser Spedition – in unmittelbarer Nähe unseres Campingplatzes! Wenn wir das damals vor Griechenland auch nur geahnt hätten…

 

Auch das Netzwerk vor Ort wollte aufgebaut werden: Wir nahmen insgesamt an drei Informationsreisen für Mitglieder der „TourismusRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg“ teil– auch als wir noch keine Mitglieder waren! Wir besuchten die „Elberadweg-Konferenz“ in Magdeburg und stellten uns bei dem „Naturpark Dübener Heide Verein“, bei der Stadt Bad Schmiedeberg sowie wie dem Moor-, Mineral- und Kneipp-Heilbad Bad Schmiedeberg GmbH als neue Kooperationspartner vor.

 

Mit „Little John Bikes“ gehen wir einen besonderen Vertrag ein, denn wir werden ab April 2014 E-Bike-Verleih-Station sein – schließlich liegen wir direkt am Elberadweg! 

Unseren Sommerurlaub 2013 verbrachten wir, noch als Urlaubscamper, auf „unserem“ Campingplatz. Seit dem 1.1.2014  wohnen wir nun endlich auf unserem schönen Fleck Erde! - Der Weg hat sich gelohnt!